Führung durch das Flüchtlingsauffanglager Friedland und Wanderung nach Groß Schneen


Am Samstag, 11. April 2015 nutzten 16 Stipendiat_innen und Freunde der Göttinger Regionalgruppe das herrliche Frühlingswetter für einen Ausflug ins nahe gelegene Grenzdurchgangslager Friedland mit anschließender Wanderung zum Heimkehrermahnmal und dem Gauß’schen Meridianstein.

Für 9.45 Uhr hatten wir eine Führung im Grenzdurchgangslager Friedland verabredet. Allerdings hatten sich alle Teilnehmenden dazu entschieden, nicht mit der Bahn, sondern sportlich mit dem Fahrrad nach Friedland anzureisen, sodass die Anfahrt bereits um 8.40 Uhr am vereinbarten Treffpunkt am südlichen Ortsausgang der Stadt Göttingen startete. Für viele in der Gruppe, die in den nördlicheren Vierteln unserer Universitätsstadt leben, hieß es also schon kurz nach acht in die Pedalen zu treten, um pünktlich anzukommen. Ein Aufwand, der sich aber sehr wohl gelohnt hat. Während der etwa zwölf in gemütlichem Tempo zurückgelegten Kilometer bot sich so manche Gelegenheit für Austausch unter den Teilnehmenden. Auf gut ausgebauten Radwegen entlang der B27 ging es durch die hügelige Landschaft in den südlichen Zipfel des Landkreises Göttingen.

In Friedland wurden die Radler_innen bereits vom dort ansässigen Stipendiaten und Organisator des Ausflugs, Eike Matthies, erwartet. Nach dem Anschließen der Räder und einem erfrischenden Schluck aus der Wasserflasche legten wir gemeinsam die letzten Schritte bis zum Grenzdurchgangslager zurück. Dort hatte sich freundlicherweise ein Mitarbeiter bereiterklärt, der Gruppe eine Führung über das Gelände zu geben und über die historischen Entstehungsprozesse des „Lagers“ genauso wie über die aktuelle Situation aufzuklären. Bei einem Rundgang über das Areal beantwortete er freundlich die vielen Fragen der Stipendiat_innen. Besonders beeindruckend wirkte auf viele Teilnehmenden die sog. Nissenhütte, die nach dem Zweiten Weltkrieg deutschlandweit als Notunterkunft für Flüchtende aus dem Boden gestampft wurden. Im Grenzdurchgangslager ist ein Exemplar zu einem Ausstellungsraum umfunktioniert worden: Durch Fotografien und andere zeitzeugende Archivalien, wie Passierscheine o.ä., wurden die Not und das Elend der Nachkriegszeit hier drückend bewusst. In dem schmalen Wellblechverschlag lebten zeitweise bis zu 80 Menschen!

Doch nicht nur in der Nachkriegszeit, auch heute noch stellt das Grenzdurchgangslager Friedland eine Anlaufstelle für Flüchtende aus vielen Regionen der Erde dar. So erfuhren wir, dass besonders syrische und irakische Staatsangehörige aufgrund der andauernden Unruhen und Bürgerkriege in ihren Heimatstaaten in den letzten Jahren in Deutschland um Asyl gesucht haben. Werden sie dem Bundesland Niedersachsen zugeteilt, ist ihre erste Station in der Bundesrepublik häufig Friedland. Genauso kommen auch immer noch Spätaussiedler aus ehemals deutsch besiedelten Regionen im gesamten eurasischen Kontinent durch Friedland nach Deutschland.

Nach dem interessanten Einblick in den Alltag im Grenzdurchgangslager machte sich die Gruppe auf ins nahegelegene Baz, dem Beratungs- und Aktionszentrum Friedland. Hier wird den Bewohnern des Lagers ehrenamtlich Aufenthaltsraum, Beschäftigungsangebote und Beratung in Asylfragen geboten. Großer Renner ist das Internetcafé. Es gibt aber auch eine Küche mit Kaffee und Tee, Deutschkurse, Spiele, eine Kleiderkammer sowie eine Kinderbetreuung zu bestimmen Zeiten. Das Projekt wurde vor einem Jahr von einer Gruppe Engagierter Göttinger ins Leben gerufen, die diese wichtige Arbeit neben Studium oder Beruf leisten. Die sdw-Regionalgruppe Göttingen hat sich entschieden, dieses tolle Projekt mit einer Geldspende sowie einer Sammelaktion von benötigten Sachmitteln zu unterstützen.

Nach dem informativen Treffen mit den Engagierten im Baz ging es für die Exkursionsgruppe steil bergauf zum Heimkehrermahnmal, das den Ort Friedland auf einer Erhöhung überragt und auch von weither aus den Bundesländern Niedersachsen, Hessen und Thüringen sichtbar ist. Nach einer kurzen Verschnaufpause am Fuße des Denkmals ging es weiter über Stock und Stein durch den Ort Friedland auf eine gegenüberliegende bewaldete Erhöhung. Dort versteckt sich der sog. Gauß’sche Meridianstein, den Carl Friedrich Gauß 1820 für Vermessungsaktivitäten errichten ließ.

Nach viel Information und viel Bewegung kehrte die Gruppe nach einer kleinen Waldwanderung schließlich in einer Pizzeria im Ort Groß Schneen ein. Bei schmackhaftem Essen und durststillenden Kaltgetränken ließen die Stipendiat_innen das Erlebte Revue passieren, schmiedeten Pläne für weitere Veranstaltungen und tauschten sich über aktuelle Belange innerhalb der Regionalgruppe aus. Ein letztes Mal zu Fuß ging es dann zurück zu den in Friedland abgestellten Fahrrädern, auf die sich die Teilnehmenden schwangen, um auf verschiedenen Feldwegen bergab und bergauf abseits der Bundesstraße den Weg zurück nach Göttingen zurückzulegen.

Für diesen wirklich abwechslungsreichen und schönen Tag möchte sich die Göttinger Regionalgruppe ganz herzlich beim Organisator Eike Matthies sowie dem Grenzdurchgangslager Friedland und dem Baz bedanken!

Weitere Informationen zu den an diesem Tage besuchten Stationen finden sich auf den folgenden Internetseiten:

(Julia Tiemann)